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Was geschah mit Woyzecks SchÀdel?

Dienstag, den 11. 06. 2013

Theatermuseum Hannover, Prinzenstraße 9

Reinhard Pabst (Bad Camberg)

2013 jĂ€hrt sich der Geburtstag Georg BĂŒchners zum zweihundertsten Mal. Der steckbrieflich Gesuchte wurde von den Polizisten und OrdnungshĂŒtern seiner Heimat wegen seiner politischen UntergrundtĂ€tigkeit verfolgt. Dieses JubilĂ€um nimmt der „Literaturdetektiv“, einer der „besten BĂŒchner-Experten“ (FAZ, 1993), zum Anlass, seine Spur aufzunehmen und einen Blick in die WerkstĂ€tten und hinter die Kulissen der BĂŒchner-Forschung zu werfen. Er „hat sich darauf spezialisiert, an allen nur denkba-ren und undenkbaren Orten der Welt nach Zeugnissen großer Dichter zu suchen, von BĂŒchner und Kleist bis Canetti, Kafka und Thomas Mann.“ (FAZ 2005).
So kam er etwa im hessischen Butzbach zwei BĂŒchner-Briefen auf die Spur, die jahrzehntelang unbeachtet auf dem Speicher eines Privathauses lagen. Und in sĂŒd-französischem Familienbesitz entdeckte er ein unbekanntes Albumblatt BĂŒchners, von dem bis dahin ĂŒberhaupt nur zwei vergleichbare Autographen aufgetaucht waren (die jedoch seit 1945 verschollen sind). – In seinem spannenden und kurzweiligen Vortrag erzĂ€hlt er vom lustvollen Suchen und glĂŒckhaften Finden, bietet vor allem Neues zu BĂŒchners Woyzeck und skizziert nebenbei eine kleine germanistische chronique scandaleuse. Mit vielen bedeutenden BĂŒchner-Forschern stand er noch in persönlichem Kontakt: Zum Beispiel erfuhr er von Hans Mayer ĂŒberraschende Einzelheiten ĂŒber die Entstehung seines vielgelesenen Buches Georg BĂŒchner und seine Zeit (1946), bei der Witwe des Schriftstellers Kasimir Edschmid durfte er als erster (und einziger) die Briefe des todkranken Privatgelehrten und verdienstvollen BĂŒchner-Herausgebers Fritz Bergemann lesen, in denen dieser mit Bitterkeit sein Lebenswerk bilanzierte.
BĂŒchners Geburtstag jĂ€hrt sich erst am 17. Oktober 1813; so lange wollten wir nicht warten.