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Wissenschaft als Abenteuer - Die Ästhetik des Erhabenen bei Immanuel Kant und Alexander von Humboldt

Dienstag, den 10. 05. 2011

Logenhaus, Lemförder Straße 7

Dr Manfred Geier (Hamburg)

Friedrich Schiller hat bereits 1797 gegen Alexander von Humboldt den Vorwurf erhoben, die-ser besitze einen nackten, kalten Verstand, der die Natur nur „schamlos ausgemessen“ habe. Er dagegen wollte, dass die Natur angeschaut und lebendig empfunden werde, sowohl in ihren einzelnen Erscheinungen, als auch in ihren höchsten Gesetzmäßigkeiten.
Zwei Jahre später hat Humboldt begonnen, Schillers Vorwurf zu widerlegen. 1799 startete der 30-Jährige seine große Reise nach Mittel- und Südamerika, um die Natur dort zu betrachten und zu erleben, wo sie ihre größte Kraft und Fülle entfaltet.
Er untersucht fünf Jahre lang die vielfältigen Erscheinungen der unbelebten und belebten Natur. In großartigen „Naturgemälden“ wird Humboldt später seine Naturbetrachtungen wissenschaftlich ausarbeiten und literarisch darstellen. Humboldt stellt fest, die Natur „erfüllt das Gemüt mit dem Gefühl der Unendlichkeit und durch dies Gefühl, wie den sinnlichen Eindrücken des Raumes sich entwindend, mit geistigen Anregungen höherer Ordnung.“
Zu dieser Weltsicht ist Alexander von Humboldt vor allem durch Immanuel Kant angeregt worden, dessen „Ästhetik des Erhabenen“ (in seiner „Kritik der Urteilskraft“) 1790 erschienen war.
Für Humboldt war die Wissenschaft ein Abenteuer. Nicht die spezialisierte Arbeit im Labor oder am Schreibtisch, sondern die Reise in die Welt lieferte ihm die Erkenntnis, dass es ums Ganze der Natur gehe. Die Welt war für ihn kein Gegenstand, den er vermessen wollte, sondern stets auch ein Ort der Freiheit, wo er als Forscher sein Glück zu finden hoffte. „Auf den Bergen ist Freiheit! Der Hauch der Grüfte / steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte“, schrieb er in der Vorrede zu seinen „Ansichten der Natur“, seinem ersten und schönsten Buch, das er 1808 nach seiner Reise veröffentlichte. Das war eine kleine Hommage an den früh verstorbenen Friedrich Schiller (9. Mai 1805), aus dessen „Braut von Messina“ die zitierten Verse stammen. Was dagegen Schiller von ihm hielt, hat Humboldt erst einige Jahrzehnte später erfahren.

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